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Donnerstag, 06.02.2025

Fesselnde Verbrechen: Psychologin der Uni Graz identifiziert Motive für True-Crime-Konsum

Gesicht einer Frau, abstrahiert, dahinter Flächen mit verschiedenen Ausschnitten, darunter Augen, verbunden durch Linien ©Dina - stock.adobe.com

Warum wird jemand zum Täter oder zur Täterin? Das zu verstehen, wurde in der Umfrage der Uni Graz am häufigsten als Motiv für True-Crime-Konsum genannt. Foto: Dina - stock.adobe.com

True Crime – Dokus, Serien und Podcasts über echte Kriminalfälle haben viele Fans. Was macht die Faszination dieses Genres aus? Sind es die Einblicke in die dunkle Seite der menschlichen Psyche oder in die akribischen Ermittlungen? Oder ist die Auseinandersetzung mit dem Verbrechen ein Training zur Angstbewältigung? Diese und weitere Fragen stellt sich die Psychologin Corinna Perchtold-Stefan in einem Forschungsprojekt. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.


Ja, es sind vor allem Frauen, die sich von True Crime fesseln lassen. Dieses Ergebnis früherer Untersuchungen im anglo-amerikanischen Raum konnte eine Studie der Uni Graz nun auch für Österreich belegen. Aber das ist noch lange nicht alles, was Psycholog:innen der Universität Graz wissen wollen. In einer Online-Befragung erhoben sie von rund 600 Personen unter anderem deren Motive für die Beschäftigung mit echten Kriminalfällen. Der durchschnittliche True-Crime-Konsum lag bei den Frauen um die sieben Stunden, bei den Männern um die vier Stunden pro Woche. „75 Prozent der Befragten führten an, die Psychologie hinter den schrecklichen Taten verstehen zu wollen. 30 Prozent nannten allgemeine Neugier als einen Beweggrund, knapp 28 Prozent ein grundlegendes Interesse am Justizsystem, an Polizeiarbeit und kriminalistischen Ermittlungen“, fasst Projektleiterin Corinna Perchtold-Stefan zusammen.

Das Unfassbare greifbar machen
Das von den meisten Studienteilnehmer:innen angeführte Motiv zeigt: „True-Crime-Konsum steht im Zusammenhang mit dem Bedürfnis, Unsicherheit aufzulösen. Die Auseinandersetzung mit dem Verbrechen, der Versuch, es zu verstehen, macht die Gefahr greifbarer und damit erträglicher. Sie vermittelt das Gefühl, die Bedrohung zu kennen und somit im Alltag besser darauf vorbereitet zu sein“, erklärt Perchtold-Stefan. 

Im MR-Scanner blickten die Psycholog:innen zusätzlich in das Gehirn von 130 True-Crime-Fans. „Wir sahen, dass sie besonders viele Verbindungen in jenen Regionen aufweisen, die mit dem Bedürfnis, Neues zu erfahren, zu lernen, zu verstehen assoziiert sind. Das Gleiche gilt für Gehirnregionen, die mit Gerechtigkeitssinn und moralischen Überlegungen, Empathie sowie kreativer Emotionsregulation in Zusammenhang stehen“, berichtet die Projektleiterin. Letzteres meint die Fähigkeit, emotionale Zustände kontrollieren zu können. 

„True-Crime-Fans zeigen eine höhere Fähigkeit, mit Angst und Stress im Alltag umzugehen. Das könnte auf einen Trainingsmechanismus durch die spielerische Auseinandersetzung mit dem Verbrechen hindeuten“, so Perchtold-Stefan. Allerdings brauche es noch weitere Studien, um diese Vermutung zu überprüfen. Ziel ist, eine Längsschnitt-Untersuchung durchzuführen: „Wir möchten beobachten, wie sich das Erleben und Verhalten, das Sicherheitsempfinden, Aggressivität und der Umgang mit Emotionen über Jahre hinweg entwickeln“, plant die Psychologin. Macht die intensive Beschäftigung mit True Crime paranoider, gestresster, aggressiver? Oder kann sie manchen Menschen helfen, Angst und Stress besser zu bewältigen? Diese Fragen hofft Perchtold-Stefan mit längerfristigen Forschungen zu beantworten.

Das Projekt „Horror als kreative Emotionsregulation“ ist die erste großangelegte empirische Studie zu True-Crime-Konsum. Sie wurde aus dem Programm „Unkonventionelle Forschung“ des Landes Steiermark gefördert. 

Erstellt von Gudrun Pichler

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